Ensemble Resonanz
Urban String
„Man muss das Konzert verändern, um es zu erhalten.“ Dieser Ausspruch Martin Tröndles bringt die Diskussion über die Klassik in der Krise auf den Punkt. Der Anstieg des Durchschnittsalters der Konzertbesucher und das Ausbleiben des jungen Publikumsnachwuchses führen zu einer zunehmenden Besucherlücke in den Konzert- und Opernhäusern.
Das Projekt Urban String des Ensemble Resonanz im Hamburger Schanzenviertel soll dieser Entwicklung mit dem Entstehen einer neuen Aufführungskultur nachhaltig entgegenwirken. Bestehende Barrieren und Vorbehalte gegenüber klassischer Musik sollen abgebaut werden, der Konzertbesuch auch für die jüngere Zielgruppe wieder an sozialer Attraktivität gewinnen.
Sowohl hinsichtlich seiner Bewohner, als auch hinsichtlich derjenigen, die es regelmäßig zum Tanzen, Feiern und Freunde treffen ins Schanzenviertel zieht, repräsentiert Hamburgs pulsierender Stadtteil die Zielgruppe des Projektes: junge und jung gebliebene, kulturell vielseitig interessierte, aktive Erwachsene, die den Besuch eines klassischen Konzertsaals möglicherweise vor allem aufgrund der Rahmenbedingungen des dortigen Angebots scheuen.
Die Besonderheit des Projektes liegt in der Vision, der klassischen Musik einen Raum im Alltag der Menschen zu geben, die Begegnung und den Zugang zu ihr nicht nur programmatisch zu erleichtern, sondern die Musiker und ihre Tätigkeit in das Viertel zu integrieren und so auch die Identifikation der Anwohner mit dem Orchester zu fördern.
Das Konzept verbindet daher die Ansiedlung des Ensemble Resonanz, inklusive eigener Probenräumlichkeiten und Büroflächen im Hamburger Schanzenviertel mit der gleichzeitigen Etablierung einer wöchentlichen innovativen Konzertveranstaltung für die genannte Zielgruppe. Das Tagesgeschäft und die Produktionanbläufe des Ensembles sowie die Kreativität und Leidenschaft seiner Musiker werden auf diese Weise für Anwohner und Passanten sichtbar. Jede Probe des Ensemble Resonanz wird zu gelebter Musikvermittlung.
Gleichzeitig werden die Früchte der Arbeit im Wochenrhythmus vor Ort erfahrbar:
So soll ein wöchentliches Veranstaltungsformat geschaffen werden, welches den Bedürfnissen der jüngeren Zielgruppe, sowohl hinsichtlich des Veranstaltungsrahmens als auch bezüglich des Ablaufs, gerecht wird.
Ohne den künstlerischen Anspruch zu verlieren, soll Klassik auf diese Weise wieder alltagstauglich werden - das Konzert in den Freitagabend ebenso selbstverständlich und unkompliziert integrierbar wie ein Kino-Besuch. Langfristig wird Urban String so auch anderen Anbietern in Hamburg den Zugang zu einer neuen Zuhörerschaft ermöglichen.
Fellow
Franziska Schultheiß
*1982 in Schwerin
Franziska Schultheiß studierte Angewandte Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg. Während ihrer Praktika in zwei Werbeagenturen sammelte sie erste Erfahrung in den Bereichen Marketing und Projektmanagement. Zudem war sie je eine Saison als Veranstaltungsleiterin und Marketing-Assistenz bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern tätig. Ab September 2010 leitet sie das Projekt „Urban String“ beim Ensemble Resonanz in Hamburg. Dabei wird sie den gesamten Entstehungsprozess vom Reißbrett bis zum laufenden Veranstaltungsbetrieb begleiten.

