Wer bestimmt in den Medien?
Ein Bericht von der Stipendiatenakademie
Ganna Volivach, Berlin
Als diesjährige Stipendiatin der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. nahm ich vom 28. Juni bis 3. Juli an der Sommerakademie des Stipendiatenkollegiums teil. Die Organisatoren hatten uns vier Seminarthemen zur Auswahl angeboten und ich entschied mich für das Thema „Wer bestimmt in den Medien? Einblicke in den Wissenschaftsjournalismus“.
Vor dem Seminar hatte ich viel über den Einfluss der Medien auf unser tägliches Leben nachgedacht, weniger aber darüber, wie und von wem in den Medien selbst Entscheidungen getroffen werden. Ich stellte mir viele Fragen in Bezug auf das Seminarthema: Wer trifft Entscheidungen darüber, was wir im Radio hören oder in Zeitungen lesen? Wie recherchieren Journalisten zu den wissenschaftlichen Themen bevor sie Artikel schreiben? Wer sind die Hauptakteure bei der Entstehung von populär-wissenschaftlichen Texten? Wie arbeiten diese Menschen zusammen? Wer übernimmt die Verantwortung für die Publikation?
Von dem Seminar hatte ich mir Antworten auf diese Fragen erhofft und war auf die Methoden gespannt, mit denen uns die Seminarleiter dieses interessante Thema innerhalb einer kurzen Zeit beibringen würden. Damit, dass ich mich selbst in die Rolle einer Journalistin werde hineinversetzen und populär-wissenschaftliche Texte produzieren müssen, hatte ich gar nicht gerechnet. Und das war nicht die einzige Überraschung im Seminar.

- Die Teilnehmer des Seminars „Wer bestimmt in den Medien? Einblicke in den Wissenschaftsjournalismus“
Schon am ersten Tag unserer Begegnung bekamen wir eine unerwartete Aufgabe. Jeder Seminarteilnehmer sollte sich kurz ein Thema überlegen, über das er oder sie gerne als Radiojournalist berichten möchte und dieses Thema dem Redakteur eines Radiosenders überzeugend vorschlagen. Unsere Seminarleiter hatten dabei die Rolle des Redakteurs glänzend übernommen. Für Frau Fischer und für Herrn Hubert war es ein Kinderspiel, denn sie kamen zu uns direkt aus dem pulsierenden Berufsleben, in dem sie als Journalisten diese Situation häufig erleben. Mein erster Versuch, eine eifrige Journalistin zu spielen, war eine Niederlage. Dies lag nicht daran, dass ich mir kein spannendes Thema ausgesucht hatte, sondern eher daran, dass mir oft die passenden Worte fehlten, um so präzise wie nötig und so unterhaltsam wie möglich mein Interessengebiet dem Entscheidungsträger zu präsentieren. Dieses interaktive Spiel hat mich gelehrt, wie das Gespräch eines Journalisten mit seinem Vorgesetzten aussieht und welche Schwierigkeiten, Missverständnisse und Meinungsdifferenzen dabei entstehen können.
Eine andere spannende Aufgabe in unserem Seminar bestand aus Folgendem: Ein wissenschaftlicher Text über das eigene Forschungsthema, den wir als Hausaufgabe vor dem Seminar verfasst hatten, sollte nun in einen populär-wissenschaftlichen Artikel umgewandelt werden. Am Anfang stellte sich diese Aufgabe als schwierig heraus: Auf einer Seite standen die Seminarteilnehmer als Wissenschaftler, die nach Exaktheit bei der Beschreibung ihres Forschungsanliegens strebten. Auf anderer Seite standen die zwei Seminarleiter als Journalisten, die dieses Thema unterhaltsam darstellen wollten. Die nach und nach auf eine Leinwand projizierten wissenschaftlichen Texte wurden somit zum Epizentrum lebhafter Diskussionen und kreativer Vorschläge. Die Zeit verging dabei wie im Flug! Auf diese Weise entstanden sechs Texte, die auch der breiten Öffentlichkeit präsentiert werden konnten. Diese waren nämlich für Laien absolut verständlich und wir als Wissenschaftler waren mit dem Inhalt auch zufrieden. Es war wie ein Wunder: Komplexe und schwierige Themen bekamen plötzlich einen Unterhaltungswert! Die Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Wissenschaftlern kann also exzellent funktionieren. Die Voraussetzung dafür ist die beidseitige Bereitschaft einander entgegen zu kommen, einander zuzuhören und gemeinsam nach plausiblen und zufriedenstellenden Lösungen zu suchen.
Das Seminar „Wer bestimmt in den Medien? Einblicke in den Wissenschaftsjournalismus“ gab mir nicht nur einen Einblick in das journalistische Arbeiten. Es zeigte auch wie der journalistische Alltag funktioniert und wie schwierig es für einen Journalisten sein kann, eine Balance zwischen dem Unterhaltungswert eines Artikels und seiner wissenschaftlichen Wahrheit zu finden. Dies ist aber eine spannende und sehr wichtige Aufgabe. Eine gekonnte Popularisierung der Wissenschaft erfüllt den Bildungszweck. Sie weckt Neugier, ist informativ und erweitert unsere Horizonte. Auf diese Weise können zwischen den komplizierten und komplexen Wissenschaftsdomänen und dem Streben nach Einfachheit im Alltagsleben elegante Brücken gebaut werden.
Sich in die Rolle einer Journalistin hineinzuversetzen, war eine wichtige Erfahrung für mich als junge Wissenschaftlerin, die in der Zukunft über die Ergebnisse ihrer Studien berichten will. Die kreative Atmosphäre unseres Seminars hatte auch mich zum Schreiben motiviert. Dies ist ein Versuch, die erworbenen Kenntnisse anzuwenden.
Ganna Volivach
