Geboren 1969 im türkischen Bursa, wuchs Shermin Langhoff zunächst bei ihren Großeltern auf. Mit neun Jahren folgte sie ihrer Mutter, einer Gastarbeiterin, nach Nürnberg. Nach der mittleren Reife absolvierte sie eine Ausbildung zur Verlagskauffrau. Schon bald machte sie durch ihr kulturelles Engagement auf sich aufmerksam: So rief sie als Mitbegründerin der Kulturinitiative Nürnberg die „Nürnberger deutsch-türkischen Filmtage“ und viele weitere interkulturelle Projekte ins Leben. Während eines Volontariats beim NDR in Hamburg 1994 erlernte Shermin Langhoff dann das Handwerk der Aufnahme- und Produktionsleiterin und arbeitete später als Produzentin und Regieassistentin unter anderem an Fatih Akins „Gegen die Wand“ (2003) mit. 2004 holte Matthias Lilienthal, Intendant des
Berliner Theaters Hebbel am Ufer, sie als Kuratorin in die Hauptstadt, „um irgendwas mit Türken zu machen“. Dort entdeckte und förderte sie inzwischen erfolgreiche deutsch-türkische Talente der zweiten Einwanderergeneration wie die Regisseure Nurkan Erpulat und Neco Çelik oder den Autor Feridun Zaimoglu. Dessen Stück „Schwarze Jungfrauen“ erhielt 2006 / 2007 durch zwei von Shermin Langhoff organisierte interkulturelle Festivals zusätzliche Aufmerksamkeit.
Nach vier Jahren als Kuratorin beschloss Shermin Langhoff, dass es wieder einmal Zeit für etwas Neues wäre und übernahm die künstlerische Leitung des Ballhauses Nanynstraße in Berlin-Kreuzberg, in dessen unmittelbarer Nähe sie seit 1998 mit ihrem Mann, dem Regisseur Lukas Langhoff, und ihrer gemeinsamen Tochter Rosa wohnt. Das Ballhaus wurde im November 2008 mit der neuen Ausrichtung als postmigrantisches Theater wiedereröffnet. Bereits die erste Spielzeit stieß auf großes Besucher- und Medieninteresse und zog ein neues, generationenübergreifendes Publikum an. Der Schwerpunkt liegt neben den eigenen Theaterproduktionen auf den neuesten Entwicklungen in Tanz, Film, Musik und Literatur.
Seit das radikale Stück „Verrücktes Blut“ vom Spiegel mit Lob überschüttet wurde und ins Programm des Berliner Theatertreffens im Mai aufgenommen wurde, ist es noch schwerer, an Karten zu kommen. Mit vorgehaltener Waffe zwingt darin eine Lehrerin ihre „disziplinlosen Schüler mit Migrationshintergrund“, ein Stück von Schiller aufzuführen. Keine Handlungsempfehlung, sondern eine vielschichtig gebrochene Reflexion auf aktuelle Debatten und zudem eine elegante Aktualisierung Schillers. Und dies ist nur eins der vielen Stücke des Ballhauses, in denen lustvoll mit Klischees gespielt wird.
Shermin Langhoff fördert in ihrem Theater junge, bislang unbekannte Regisseure, Schauspieler und Dramaturgen. Sie ist außerdem Initiatorin der „akademie der autodidakten“, die Jugendlichen aus problematischen Verhältnissen die Möglichkeit bietet, sich künstlerisch auszudrücken. Nebenbei ist sie Vorstandsmitglied in weiteren Organisationen zur kulturellen Förderung.
So ist es nicht verwunderlich, dass Shermin Langhoff nun „nicht nur als Intendantin, sondern auch als Mentorin für Kultur“ mit dem KAIROS-Preis ausgezeichnet wurde. Damit sollen nicht nur ihre bisherigen Leistungen belohnt, sondern auch zukünftiges Schaffen motiviert werden.