Der schillernde "Herr Schmidt"

Egal ob als Unternehmer, Theaterbesitzer oder Präsident des FC St. Pauli, Corny Littmann ist zweifellos eine der buntesten Persönlichkeiten des Hamburger Lebens. Er hat in den letzten drei Jahrzehnten „seine“ Stadt und insbesondere den Stadtteil St. Pauli wesentlich geprägt.


von Paula Bögel, Hamburg


Corny Littmann

Geboren 1952 in Münster, lebt  Corny Littmann seit 1970 in Hamburg. Nach dem Abitur studierte er zunächst Psychologie in der Hansestadt. Von1976  bis 1979 war Littmann dann Mitglied der Theatergruppe „Brühwarm“, die mit Themen der zeitgenössischen Schwulenbewegung tourte. Später war er Mitbegründer des Tourneetheaters „Familie Schmidt“, das von 1982 bis 1988 durch Deutschland zog und dem sich später auch der als Lilo Wanders agierende Schauspieler Ernst-Johann Reinhardt anschloss. Darauf aufbauend eröffnete Corny Littmann mit Reinhardt und weiteren Gesellschaftern am 08.08.1988  um 8 Uhr als feste Spielstätte das Schmidt Theater auf St. Pauli. Im September 1991 folgte die Eröffnung des sogenannten „Großen Hauses“, nur einige Gebäude entfernt, unter dem Namen Schmidts TIVOLI. Die beiden bekannten und beliebten Theater bieten von Musicals über Theater, Varieté, Kabarett  und weiterer Kleinkunst ein großes Repertoire an – stets schräg, schillernd und schrill. Corny Littmann ist in seinen Theatern sowohl vor der Bühne als Schauspieler als auch hinter der Bühne als Regisseur aktiv. Sein Regiedebüt war die hochgelobte TIVOLI-Hausproduktion „Cabaret“. Momentan führt er z.B. bei dem populären Hamburger Musical „Heiße Ecke“ Regie und übernimmt in „Pension Schmidt“ gleich mehrere Rollen.  Sein neuestes Regieprojekt, die Hausproduktion „Volles Programm! – Die wirklich ganz tolle TV-Show-Show von Oliver Kalkofe und Martin Lingnau“ hat am 09.09.2010 Uraufführung im Schmidt Theater. In der Show wird das Schmidt-Ensemble, begleitet von der Band Energie St.Pauli, in atemberaubendem Tempo die sechs Jahrzehnte deutscher Fernsehgeschichte Revue passieren lassen. Hier gibt es ein Wiedersehen mit der Raumpatrouille Orion, Derrick trifft auf Mutter Beimer und dies alles natürlich unterlegt mit den altbekannten Titelsong-Klassikern.

Littmann als Gustav in der Schmidt Theater-produktion „Villa Sonnenschein“

Einem bundesweiten Publikum wurde Corny Littmann als „Herr Schmidt“ in der legendären „Schmidt-Mitternachtsshow“ bekannt, die, wenn auch in anderer Besetzung, heute noch regelmäßig im Schmidt Theater auf dem Spielplan steht und auch im NDR ausgestrahlt wurde. Der NDR behielt sich hierbei zunächst eine wöchentliche Kündigungsfrist vor, aus Angst, die Show könnte zu obszön sein. Nach drei erfolgreichen Sendungen mit guten Einschaltquoten war es allerdings  Corny Littmann selbst, der den Vertrag beendete und von da an in den weiteren Verhandlungen die Konditionen deutlich stärker mitbestimmen konnte.1991 bekam die „Schmidt-Mitternachtsshow“ den  Adolf-Grimme Preis als beste Unterhaltungsshow.

Seit 2001 ist Corny Littmann außerdem künstlerischer Leiter der Firma SeeLive Tivoli Entertainment & Consulting GmBh, einem Joint Venture des Schmidts Tivoli Theaters und der Reederei AIDA Cruises. Die Firma übernimmt die Konzeption und Umsetzung von umfangreichen Showprogrammen an Bord der AIDA Flotte. 

Neben seiner Leidenschaft zum Theater hat sich Corny Littmann auch politisch engagiert. 1980 war er der Spitzenkandidat der Hamburger Grünen bei der Bundestagswahl. Hier machte er mit einer Aktion auf die Diskriminierung von Schwulen aufmerksam, bei der er einen Spiegel in einer öffentlichen Hamburger Toilette zerschlug, um zu zeigen, dass sich hinter dem Spezialspiegel eine Kabine verbarg, aus der heraus die Hamburger Polizei  die Toilette beobachtete, um das „Klappenverbot“ zu überwachen.  Kurz nach der Wahl beendete Littmann seine politische Karriere wieder, ihn störte das Machtgerangel innerhalb der Parteien.

Corny Littmann moderiert den Neujahrsempfang in einem seiner Theater

Zuletzt war er bis zu seinem Rücktritt  im Mai 2010 sieben Jahre lang Präsident des traditionsreichen Hamburger Fußballklubs FC St. Pauli. Er hat in dieser Zeit den Klub wirtschaftlich und sportlich sehr vorangebracht. In seiner Amtszeit wurden die Finanzen saniert und große Projekte wie der Stadionneubau begonnen, was mitunter auch Anlass zu Kritik war. 2007 legte Corny Littmann sein Amt sogar kurzzeitig nieder. Letztlich ist es ihm aber gelungen dem vorher oft am Rande der Insolvenz stehenden Klub eine solide finanzielle Grundlage zu geben, häufig auch mit sehr kreativen Ansätzen. So war Littmann maßgeblich beteiligt an der „Retter-Kampagne“. Der Verein ließ  damals T-Shirts drucken, die ihren Träger als „Retter“ des Vereins auszeichneten und deren Verkauf insgesamt 900.000 Euro in die leeren Kasse des FC St. Pauli spülte. Außerdem gab es u.a. noch die Aktion „Astra trinken – St. Pauli retten“, bei der ein Euro je verkauftem Astra-Kasten an den Verein gingen. Hierdurch konnten auch immerhin 120. 000 Euro eingenommen werden. Auf sportlicher Seite hat der FC St. Pauli in der Zeit, in der Corny Littmann Präsident war, den Aufstieg von der Regionalliga bis in die erste Bundesliga gemeistert.

Bereits 1999 wurde Corny Littmann in Hamburg zum „Unternehmer des Jahres“ gewählt. Dieses Jahr erhält er nun von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. den Hamburger Max-Brauer-Preis. Durch sein vielfältiges Engagement ist er aus dem Hamburger (Kultur)leben schon lange nicht mehr wegzudenken.

 

Links

www.tivoli.de  - Webseite des Schmidt Theater & Schmidts TIVOLI in Hamburg

 

 

 

Der Hamburger Max-Brauer-Preis

Der Hamburger Max-Brauer-Preis zeichnet Persönlichkeiten und Einrichtungen in der Freien und Hansestadt Hamburg aus, die sich besondere Verdienste um das kulturelle, wissenschaftliche oder geistige Leben der Stadt erworben oder außerordentliche Impulse für die Erhaltung und Erneuerung der Stadt, ihrer Architektur und Baudenkmäler, ihres Stadt- und Landschaftsbildes sowie ihrer Tradition und ihres Brauchtums gegeben haben. Er ist mit 15.000 Euro dotiert. Über die Auswahl der Preisträgerin bzw. des Preisträgers entscheidet ein unabhängiges Kuratorium.

Der Hamburger Max-Brauer-Preis wird seit 1992 vergeben und ist der letzte Preis, den der Stifter geschaffen hat. Der Preis ist dem Andenken an den bedeutenden letzten Oberbür-germeister von Altona vor 1933 und Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg nach 1946, Max Brauer (1887-1973), gewidmet.