„Etwas anderes möchte ich gar nicht machen.“

Ein Portrait der Dirigentin und Alfred-Toepfer-Stipendiatin Maria Benyumova

Foto: Stutte

Lebhaft klingt Maria Benyumova als ich sie an einem Dienstagnachmittag für ein kurzes Telefoninterview anrufe. Sie sei gerade aus der Hochschule gekommen, wo sie zurzeit Orchesterdirigieren studiert, erzählt sie. Dies ist bereits die zweite Ausbildung der 1984 im russischen Krasnojarsk geborenen jungen Frau. Nach dem Abitur 1998 besuchte sie erst das Pädagogische Kolleg ihrer Heimatstadt und schloss dort das Studium der Pädagogik mit dem Schwerpunkt Chordirigieren mit Auszeichnung ab. Danach wechselte sie an die Akademie für Musik und Theater in Krasnojarsk von wo aus sie 2004 nach Deutschland kam, um an der Folkwang-Hochschule in Essen Chorleitung bei Prof. Ralf Otto zu studieren. 2005 wechselte Maria Benyumova nach München an die Hochschule für Musik und Theater zu Prof. Michael Gläser, wo sie 2006 die Diplomprüfung mit Auszeichnung ablegte und dann ihre Ausbildung in der Meisterklasse von Prof. Gläser fortsetzte.

Dies war auch der Zeitpunkt, an dem die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. in Maria Benyumovas Leben trat. Als das Studium immer intensiver wurde, sie die Zeit lieber in das Lesen von Partituren als in Nebenjobs investieren wollte, machte sie sich auf die Suche nach Unterstützung. „Ich erinnere mich noch heute an die Stimme von Frau Ericke am Telefon,“ berichtet sie, „nach vielen erfolglosen Telefonaten waren meine Erwartungen nicht sehr hoch, doch dann sagte Frau Ericke, ich solle unbedingt meine Unterlagen schicken.“ Der Umgang mit der Stiftung sei vor allem durch ein sehr familiäres Gefühl geprägt. Man sei nicht nur einer von vielen, sondern die Mitarbeiter würden sich tatsächlich für das interessieren, was man tue, sich über Erfolge freuen und bei Problemen zur Seite stehen. Maria Benyumova betrachtet dies als Geschenk, das ihr Freiheiten ermöglicht, empfindet aber auch Verantwortung ihr Bestes zu geben. Beides wird sichtbar in den Aktivitäten von Maria Benyumova. Sie leitete über viele Jahre unter anderem das Vokalensemble Icking und das Symphonie Orchester der Studierenden der Musikhochschule München, zusätzlich wird sie seit 2008 als Stipendiatin durch das DIRIGENTENFORUM des Deutschen Musikrats gefördert.

Begeistert hat sich Maria Benyumova für das Dirigieren schon sehr früh in ihrem Leben. Bereits mit 10 Jahren begleitete sie ihre Eltern, die beide auch Musiker sind, auf Tourneen und beobachtete mit einer Mischung aus Befremdung und Faszination Menschen, die ein nicht vorhandenes Orchester dirigierend, sich auf Auftritte vorbereiteten. Es weckt ihr Interesse an diesem Zugang zur Musik. Als sie dann mit ihrem Studium begann, wurde schnell deutlich, wie sehr ihr das Dirigieren liegt und wie viel Freude es ihr bereitet Menschen anzuleiten.

Dass auf das Studium der Chorleitung das Studium des Orchesterdirigierens folgte, betrachtet Maria Benyumova als natürliche Entwicklung, die zum einen mit dem Spaß an der Musik und an den Menschen zusammenhängt, aber auch damit, dass in Deutschland Chor- und Orchestermusik oft eng verknüpft sind. Man denke da beispielsweise an die Werke von Bach.  Gleichwohl wird deutlich, dass sehr viel Arbeit und Disziplin hinter Maria Benyumovas bisherigem Werdegang stehen. Sie führt aus, wie viel Verantwortung auf den Schultern eines Dirigenten lastet und das man nicht genug vorbereitet sein kann, bevor man zu einer Probe erscheint. Wie wichtig es ist, tief in die Substanz eines Werkes zu gehen und dass es so etwas wie „eine Partitur oft genug gelesen haben“ nicht gibt. Doch etwas anderes wolle sie niemals machen, versichert sie dann. Dazu sei ihre Leidenschaft für die Musik zu groß.

Auf die Frage, was ihr an der Arbeit als Dirigentin am meisten Vergnügen bereitet, kommt sofort die Antwort: proben, gefolgt von einem kurzen Lachen. Natürlich sei jedes Konzert die Krönung des spannenden, aber oft auch langen Prozesses des Probens. Jedoch sei es der Moment während des Probens in dem ein Stück zu klingen beginne, in dem aus vielen einzelnen Menschen ein Chor, respektive ein Orchester würde, dieser Moment würde sie immer wieder beflügeln und ihr zeigen, wie sehr sie das Dirigieren liebt.

Schaut man sich die Dirigentenszene genauer an, wird schnell deutlich, dass es sich doch in weiten Teilen um eine Männerdomäne handelt. Dem widerspricht Maria Benyumova nicht, möchte dem Thema aber auch nicht zu viel Gewicht beimessen. Sie habe bisher nie Probleme gehabt, weil sie eine Frau sei und wenn doch einmal Unstimmigkeiten auftauchten, so waren diese meist nach der zweiten Probe vergessen. Es sei natürlich wichtig, sich dem Ensemble gegenüber seriös und ernstzunehmend zu präsentieren, doch das Fachliche sei noch immer der Aspekt ihrer Arbeit, auf den es am meisten ankäme und der unbedingt stimmen müsse. Im Grunde aber hätten alle das gleiche Ziel, welches sie miteinander verbindet, nämlich gemeinsam Musik zu machen. Die Leidenschaft dafür merkt man Maria Benyumova bei jedem Satz an.

Momentan bereitet sich Maria Benyumova auf  ihre erste Festanstellung vor. Wenn sie im April ihr Studium abgeschlossen hat, wird sie ab der Spielzeit 2010/2011 die Chordirektion an den Vereinigten Städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach übernehmen und dort für die Leitung des Opernchores und des Niederrheinischen Konzertchores verantwortlich sein. Sie freut sich auf die neue Herausforderung und auf die Chance noch mehr lernen zu können. „Oh, und auf die Opern, auf die freue ich mich auch,“ fügt sie dann noch hinzu. Wir wünschen ihr für ihre neuen Aufgaben viel Erfolg und weiterhin so viel Freude am Dirigieren.    jca