Nationalgalerie Tirana - Galeria Kombetare E Arteve, Tirana

Projekt

Albanien befindet sich seit 1990 in einer besonderen Situation - das Land vollzieht den langsamen und oftmals chaotisch verlaufenden Wandel eines ehemals sozialistischen Staates zu einer parlamentarischen Republik. Dieser Wandel vollzieht sich nicht nur auf einer politischen und wirtschaftlichen Ebene, sondern betrifft auch das Feld der Kultur. Die gegenwärtigen Renovierungsarbeiten an der Nationalgalerie Tiranas sind Teil dieser Neuorientierung. Spannend ist hier im Einzelnen das sich ändernde Verhältnis zu der Kunst des Sozialistischen Realismus.

Die leeren Räume der ehemals Sozialistischen Sammlung gaben den Impuls zum Ausstellungsprojekt “Ri-Pikturim (“Re-Paintings”). An Exhibition on Coats” im Rahmen des Alfred Toepfer Fellowships. Während des Regimes vor allem geprägt als ein Ort der Macht denn als ein Ort der Kunst, wurde das Museum für das Projekt zu einem temporären Künstleratelier. Eingeladen waren eine Auswahl ehemals sozialistischer albanischer Maler, um eines ihrer Werke aus der kommunistischen Zeit neu zu interpretieren. Die roten Wände des Museum stellten die Leinwand. Es entstanden Wandgemälde, deren kurze Existenz absehbar sein sollte: im Zuge der fortführenden Renovierungsarbeiten verschwinden die neuen Werke wie in einer umgekehrten kulturellen Archäologie unter dem neuen weissen Anstrich der Institution. Das Bemalen der Wände wird zu einer symbolischen Geste: zu einem Kommentar über das Erscheinen und Verschwinden, parallelen Kunst(ge-)schichten und nicht zuletzt zu einer Reflexion über das Persönliche und das Institutionelle.

Für das einjährige Fellowship setzt die Ausstellung den Grundstein für eine fortführende Recherche über die sich verschiebenden Machtverhältnisse in der Geschichte des Museums und ihrer Auswirkung auf die albanische Kunst. Ausgehend von Gesprächen mit verschiedenen Künstlergenerationen und deren Geschichten (“art (hi-)stories”) soll eine Publikation entstehen, die das Werden der Kunst in einem lange isolierten Land weniger rein kunsthistorisch sondern mit einem Dokument kulturellen Gedächtnisses begegnet.

 

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Fellow: Sonja Lau (mit Co-Kurator André Siegers)

Fellow

Sonja Lau                         

*1981 in Düsseldorf

Sonja Lau studierte Film und Kunstgeschichte in Paris und Berlin und absolvierte 2007 ihren Master in “Curating and Critical Writing” am Chelsea College of Art and Design in London. “Ri-Pikturim” ist ein Partnerprojekt mit André Siegers und wird vor Ort gefördert durch die Stiftung FAVA (Foundation for Albanian Visual Arts), Tirana. Für das Alfred Toepfer Fellowship leitete und kuratierte Sonja Lau gemeinsam mit André Siegers die Ausstellung und ist Projektleiterin und Co-Autorin der anstehenden Publikation.