Neue Auftraggeber - europäische Plattform für eine Kunst der Zivilgesellschaft
Projekt
Bürgerinnen und Bürger aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft bekommen die Möglichkeit, Initiatoren und Auftraggeber von Kunstprojekten zu werden, die sich mit ihrem lokalen Kontext beschäftigen: Bürgermeister und Landwirte, Schüler und Universitätsprofessoren, Firmenchefs und Arbeitslose – im Rahmen der »Neuen Auftraggeber« kann jeder künstlerische Prozesse auslösen, Werkproduktionen beauftragen und mitverantworten. Ausgangpunkt dieser »Kunst der Zivilgesellschaft« sind diejenigen, die von sich aus die Initiative ergreifen: Einzelpersonen, Gruppen, Vereine oder öffentliche Einrichtungen. Damit werden herkömmliche Auftragsmodelle umgestellt, Auftraggeber für Kunstproduktionen kann jeder werden.
Drei Akteure kommen zusammen: Bürgerinnen und Bürger werden von erfahrenen KuratorInnen dabei begleitet, Auftragsinhalte zu formulieren und internationale KünstlerInnen für lokale Kunstproduktionen zu gewinnen, die dann gemeinsam entwickelt werden. Die Auftraggeber werden aktive Produzenten; Werke entstehen in gesellschaftlicher Kommunikation. So stiftet das Programm zu einer demokratischen Praxis an, erneuert bürgerschaftliches Engagement und etabliert eine gesellschaftliche Idee von Kunstpraxis.
Ursprünglich von dem belgischen Künstler François Hers konzipiert, wurden in Frankreich seit 1993 mehr als 300 Projekte realisiert. Unter den bisher beteiligten KünstlerInnen finden sich: Vito Acconci, Angela Bulloch, Daniel Buren, Gloria Friedmann, Annette Messager, Yan-Pei Ming, Jean-Luc Moulène, Michelangelo Pistoletto, Martha Rosler, Jessica Stockholder, Remy Zaugg u.v.a.
Dank dieses Erfolgs laufen die »Neuen Auftraggeber« nun auch in Italien, Belgien, England, Schweden, Finnland und Spanien.
Seit Herbst 2008 wird das Programm mit VermittlerInnen und Kunststrukturen in Dortmund, Hamburg, Leipzig, Potsdam, Stuttgart und Weimar entwickelt. Ziel ist es, dass sich das Programm »Neue Auftraggeber« in ganz Europa entwickeln kann und Bürgerinnen und Bürger ob in Riga, Aveiro, Cluj oder einem brandenburgischen Dorf aktiv werden können und situationsspezifische Kunstprojekte mit VermittlerInnen und internationalen KünstlerInnen realisieren können.

- Fellow: Vera Tollmann
Fellow
Vera Tollmann
*1976 in Oberhausen
Vera Tollmann arbeitet in Berlin als freie Kuratorin und schreibt für Kunstmagazine und Tageszeitungen über zeitgenössische Kunst und Internetkultur – zuletzt über die kulturelle und künstlerische Relevanz von „youtube“. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und der John Moores University in Liverpool arbeitete sie als Redaktionsassistenz für das Kunstmagazin „springerin“ – Hefte für Gegenwartskunst in Wien, als Internetredakteurin für die Kulturstiftung des Bundes in Halle und als kuratorische Assistenz für das Medienkunstfestival „transmediale“ in Berlin.
Im Frühjahr 2008 war sie Mitherausgeberin der Zeitung „Was Du wissen solltest (Die Zukunft)“, die sich mit der Privatisierung des Militärischen am Flughafen Leipzig beschäftigte. Im letzten Jahr hat sie Ausstellungen, Veranstaltungen und eine Publikation zur künstlerischen und kulturwissenschaftlichen Reflektion des Klimawandeldiskurses co-kuratiert und -publiziert. Seit September 2008 leitet Vera Tollmann im Rahmen des Alfred Toepfer Fellowship Programms das Berliner Büro der »Neuen Auftraggeber«.
