Es ist an der Zeit die Lehre an den Hochschulen zu stärken
Die Frage nach der Lehre an deutschen Hochschulen und nach hochschuldidaktischen Konzepten wird wieder neu ins Zentrum gestellt. Von der Notwendigkeit, die Lehre an den Hochschulen zu stärken, zeugen nicht zuletzt die Proteste der Studierenden 2009. Die Empfehlungen zur systematischen Verbesserung der Hochschullehre wurden bereits 2008 vom Wissenschaftsrat nachdrücklich formuliert und mit der entsprechenden Mindestanforderung an finanzieller Ausstattung auch auf die politische Agenda gesetzt. Ein zusätzlicher wirkender Faktor ist das einsetzende Wettbewerbsprinzip, das durch die Exzellenzinitiativen des Bundes und einzelner Länder zunächst die Forschung betraf und inzwischen auch auf die „Exzellenz in der Lehre“ übertragen wurde. Trotz geringerer finanzieller Ausstattung konnten durch die Ausschreibungen viele versprechende Konzepte zur Entwicklung der Lehre sichtbar gemacht bzw. erst angestoßen werden. In der vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz initiierten und insgesamt mit 10 Millionen Euro ausgestatteten „Exzellenzinitiative für die Lehre“ haben 108 Hochschulen ihr Konzept eingereicht, vier Fachhochschulen und sechs Universitäten wurden inzwischen ausgewählt. Sie werden mit ihren Zukunftsstrategien für die Entwicklung von Lehre Zeichen setzen. Die ebenfalls mit 10 Millionen Euro ausgestattete Initiative „Bologna – Zukunft der Lehre“ von der VolkswagenStiftung und der Stiftung Mercator hatte 180 Antragseingänge zu verzeichnen, von denen 9 angenommen wurden.
Die Debatte, wie sich die zahlreichen neuen Studiengänge in sinnvollen inhaltlichen Zusammenhängen, an Kompetenzen orientiert und mit entsprechenden „workloads“ ausgestattet zunächst konzipieren, dann akkreditieren und später eigentlich studieren lassen ist im Gange und die Umbildung an den Hochschulen im Rahmen des Bologna-Prozesses ist in eine zweite Phase der Nachbesserung und Reformkorrektur eingetreten.

- Im Seminarzentrum Schloss Hasenwinkel werden neue Konzepte erarbeitet Foto: Monika Lawrenz
Das ist der richtige Zeitpunkt, um engagierte Akteure für die Entwicklung der Lehre aus der Professorenschaft, aus dem Wissenschaftsmanagement und der Hochschuldidaktik als bestehende „community of practice“ zu stärken, ihren Austausch zu fördern und auf die nötigen Synergien hinzuwirken. Denn die inspirierende und methodisch ausgewogene Lehre gibt es ebenso wie ein weitsichtiges Lehrmanagement und ein umfangreiches hochschuldidaktisches Weiterbildungsangebot. Mancherorts mögen sich die Teilhaber der drei Gruppen in verschiedenen Argumentationswelten bewegen, aber im glücklichen Fall ringen sie miteinander um die gemeinsame Entwicklung von Curricula und um angemessene Prüfungskonzepte. Manches Mal verlaufen die Linien der gegenseitigen Stigmatisierung – ‚Management von oben’, ‚eigenbrötlerische Bewahrer des ewig Gestrigen’, ‚wissenschaftlich drittklassische Methodikspieler’ - entlang der beruflichen Rollen, aber im glücklichen Fall können wesentliche Rahmenbedingungen und Akzente für das gemeinsame Lehrprofil der Hochschule gemeinsam erzeugt werden.
Eine wirkungsvolle gemeinsame Praxis von Hochschulprofessorinnen und -professoren, Mitgliedern der wissenschaftlichen Administration und hochschuldidaktischen Trainern zu befördern ist Ziel des Programms „Lehren - Impuls zur wissenschaftlichen Lehre“. Leitendes Anliegen der Weiterbildung ist es eine Expertengruppe als „community of practice“ zu etablieren, die sich in gegenseitigem Verständnis der Verantwortungsbereiche um den Perspektivwechsel vom Lehren auf das Lernen gruppiert. Auf dieser Basis kann an den jeweiligen Hochschulstandorten besser auf curriculare Rahmenbedingungen und Lehr-/Lernszenarien eingewirkt werden, die das aktive Lernen der Studierenden fördern. Hinsichtlich einer fachbezogenen Studienreform zeichnet sich Lehren zudem dadurch aus, dass fachspezifische und fachübergreifende Perspektiven auf die Didaktik durch die Teilnehmerzusammensetzung produktiv miteinander kombiniert werden.

- Die Teilnehmer des Seminars wollen die Lehre an deutschen Hochschulen mit innovativen Ideen verbessern Foto: Monika Lawrenz
Lehren ist ein Kooperationsprojekt der Universität Hamburg, der Nordmetall-Stifttung und der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. Lehren wird im Rahmen der Initiative „Bologna – Zukunft der Lehre“ gefördert von der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung. Mit der Förder-Allianz bildet das Vorhaben auch strukturell das inhaltliche Credo von Lehren ab: Nachhaltige sinnvolle Entwicklung der universitären Lehre gelingt besser im Verbund und im Austausch aller gestaltenden Akteure. Die Teilnehmer des Seminars wollen die Lehre an deutschen Hochschulen mit innovativen Ideen verbessernDie 32 Teilnehmerplätze für die 5 Workshops 2010 werden von der breiten Allianz der Förderer ermöglicht, denen die Entwicklung in der Lehre ein gemeinsames Anliegen ist. Die Teilnehmer wurden aus 117 eingegan- genen Interessensbekundungen ausgewählt und die Förderallianz geht davon aus, dass der ausgewählte Personenkreis die Entwicklung der Lehre mit Nachdruck verfolgt und über die Weiterbildung hinaus wirken wird. Das ausführliche Konzept von Lehren , das Workshop-Programm, die mitwirkenden Trainer und ihre Profile sowie immer aktuelle Informationen über die Entwicklung des Programms finden Sie unter http://www.toepfer-fvs.de/lehren.
Lehren ist ein Gemeinschaftsprojekt von
Gefördert im Rahmen der Initiative "Bologna - Zukunft der Lehre" von
Internationale Impulse für die Lehre – Eurolecture Gastdozenturen
Gute Lehre ist entscheidend für den Erfolg einer Universität sowie für die Qualifikation und die Zufriedenheit ihrer Absolventen. In der Entwicklung der wissenschaftlichen Lehre liegt zudem ein hohes Innovationspotential für die Universitäten und ihre Profilierung.
Gute Lehre wird von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt, die von den räumlichen Rahmenbedingungen über das quantitative Betreuungsverhältnis, die Festschreibung von Curricula und Studiengängen bis zur individuellen Lehrbegabung reichen. Agierend in diesen Gegebenheiten bewegt die Stiftung besonders der Nukleus der konkreten Lehr-Lernsituation und der Interaktion Einzelner im System Hochschule. So konzentrieren sich die Projekte und Programme im Bereich Wissenschaft auf Impulse für die Lehre und hier insbesondere auf die Wirkungsmöglichkeit der handelnden Akteure im Wissenschaftssystem.
Neben regelmäßigen Weiterbildungsangeboten für neuberufene Professorinnen und Professoren der nördlichen Hochschulen sind seit 2006 die Eurolecture-Gastdozenturen fester Bestandteil im Stiftungsengagement für die Entwicklung der Lehre. Es bietet deutschen Hochschulen die Möglichkeit, hoch qualifizierte junge Wissenschaftler aus dem europäischen Ausland zu Lehrprojekten an ihre Institute zu laden. Zwei bis drei Eurolecture-Dozenturen werden im Jahr öffentlich ausgeschrieben und von einer unabhängigen Auswahlkommission gewählt.
Folgende Eurolecture-Gastdozenturen werden 2010 gefördert:
Lehrprojekt in den Erziehungswissenschaften an der Stiftung Universität Hildesheim WS 2009/2010
Dr. Nicoleta Laura Popa von der Alexandru Ioan Cuza Universität Iuşa ist zu Gast bei Dr. Anatoli Rakhkochkine am Institut für Erziehungswissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim.
Gemeinsames Interesse der Lehrveranstaltungen ist der Umgang mit Heterogenität von Lernergruppen. Strategien für die Förderung besonderer Begabung sind dabei ebenso Gegenstand wie interkulturelle Erziehung und die individuelle Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund. Aufgegriffen wird auch die bisher noch wenig behandelte Problematik der Bildungsangebote für Kinder von Wanderarbeiter und beruflich Reisenden (circular migrants). Umgesetzt werden diese Themen in einem Veranstaltungskonzept, dass sich durch eine kluge Ausrichtung des reichen methodischen Spektrums (bilinguales Teamteaching, Feldstudien, Rollenspiele, Mikroteaching, forschendes Lernen) auf die jeweiligen Lernziele auszeichnet.
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Termin: Tagung: Mobilität, Migration und Schule
am 25.2.2010 an der Stiftung Universität Hildesheim.
Bildungsangebote und pädagogische Unterstützung für Kinder beruflich Reisender und zirkulärer Migranten.Die Tagung behandelt aktuelle Entwicklungen in Bezug auf die Beschulung der Kinder beruflicher Reisender und zirkulärer und temporärer Migranten in der EU. Angesichts der zunehmenden Mobilität wächst die Zahl der Kinder, die sich mit ihren beruflich reisenden Eltern oder allein vorübergehend und teilweise auch grenzüberschreitend umziehen. Diese Kinder erleben unterschiedliche Barrieren bei der Nutzung der Bildungsangebote in den Systemen, die für die Bedürfnisse der dauerhaft sesshaften und sprachlich-kulturell homogenen Bevölkerung konzipiert sind. Zugleich wächst die Zahl der Kinder, deren Eltern berufsbedingt allein verreisen (müssen) und die Kinder für längere Zeit zurücklassen. Die gemeinsamen Probleme der heterogenen Gruppe von Kindern beruflich Reisender und zirkulärer Migranten und Möglichkeiten der inklusiven Bildungsangebote für diese Kinder werden auf der Tagung unter Berücksichtigung der vorliegenden Forschungsergebnisse, der (bildungs-)politischen Entwicklungen und der Erfahrungen der Betroffenen diskutiert.
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- Foto: Monika Lawrenz
Lehrprojekt in der Geschichtswissenschaft an der Universität Erfurt, SS 2010
Dr. Dobrochna Kalwa von der Universität Jagiellonski (Krakow, Polen) ist zu Gast bei Prof. Dr. Claudia Kraft am Geschichtswissenschaftlichen Institut der Universität Erfurt.
Mit einschlägigen Erfahrungen im Bereich Frauen- und Geschlechtergeschichte, oral history Forschungsmethoden und deren Anwendungen in der polnischen Zeitgeschichte ist Frau Dr. Kalwa in der polnischen Geschichtswissenschaft eine der bekanntesten Vertreterinnen der methodisch informierten Geschlechtergeschichte jüngerer Generation.
Das Eurolecture-Team stellt die historische Gedächtnisforschung in den postkommunistischen Ländern und die Geschlechtergeschichte in deutsch-polnischer Perspektive ins Zentrum ihrer Lehrveranstaltungen. Sie werden als gemeinsame Seminare in Englischer Sprache und in vergleichender Perspektive gehalten. Der direkte Austausch in der gemeinsamen Lehre macht Multiperspektivität und Standortgebundenheit der Geschichtswissenschaften für die Studierenden unmittelbar erlebbar. Teamteaching ist auch über dieses Projekt hinaus wichtiger Bestandteil in den `area studies´ der Universität Erfurt. Ziel der gemeinsamen Seminare ist das Vermitteln sowohl fachwissenschaftlicher, als auch interkultureller Kompetenzen. Die Studierenden werden angeleitet, lebensgeschichtliche Interviews mit Zeitzeugen zu führen, deren Ergebnisse auf einer Konferenz der Öffentlichkeit vorzustellen und Fachkollegen zur Diskussion zu stellen.
Lehrprojekt in der Katholischen Theologie an der Universität Tübingen, SS 2010
Prof. Dr. Gerard Mannion von der Katholieke Universiteit Leuven (Belgien) ist zu Gast bei PD Dr. Annemarie Mayer an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Das Lehrangebot von Prof. Mannion zeichnet sich durch eine fachlich internationale und interkulturelle Perspektive aus. Durch eine Einbindung der von Prof. Mannion vertretenen angelsächsischen Theologie in das bisherige Dogmatik-Curriculum der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen können neue Inhalte, Themen und Lehrmethoden angeboten werden. So ist das Lehrformat eines Semesterschwerpunkts Christologie, der sich in einer Kombination aus Vorlesung, Übung und Seminar ausdifferenziert, ein Novum an der Universität Tübingen. Durch zusätzliche exposure visits, begleitende Besuche von Kirchen, Klöstern, Galerien, Bibliotheken etc., wird es den Studierenden ermöglicht, den bestimmten christologischen Aspekt in seinem originalen Kontext betrachten zu können. Eine große Konvergenz im ökumenischen Zugang und der ökumenisch offenen Methodik beider Dozenten lässt bedeutende Synergieeffekte erwarten.
Über begleitende Termine und öffentliche Veranstaltungen der Eurolecture-Gastdozenturen wird rechtzeitig auf der Stiftungs-Homepage informiert.





