Freiherr-vom-Stein-Preis 2011 für die Kulturloge Marburg
Vielen Menschen bleibt die Tür zu kulturellen Veranstaltungen wortwörtlich verschlossen. Einen Konzert- und Theaterabend oder einen Kinobesuch können sie sich trotz großem Interesse schlichtweg nicht leisten. Andrerseits bleiben bei vielen Kulturveranstaltungen Plätze unbesetzt. Der Verein Kulturloge Marburg e.V. bietet eine Lösung: Nicht verkaufte Eintrittskarten, die Veranstalter zur Verfügung stellen, werden an diejenigen vermittelt, denen der Eintritt sonst verwehrt bleibt. Davon profitieren beide Seiten; die einen kommen in den Genuss kultureller Veranstaltungen, die anderen haben ein volles Haus.
Die Idee dazu hatte Christine Krauskopf, Redakteurin der »Oberhessischen Presse«. Ausgearbeitet wurde das Konzept mit Hilde Rektorschek, der späteren Vorsitzenden der Kulturloge, getragen wird es von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. Kulturinteressierte mit geringem Einkommen können bei der Kulturloge Veranstaltungspräferenzen angeben. Werden seitens der Veranstalter kurzfristig freie Plätze zur Verfügung gestellt, vermitteln Ehrenamtliche diese weiter. Die Karten werden dann an der Abendkasse hinterlegt. Auf Wunsch werden auch Fahrdienst, Babysitter oder Begleitperson zur Verfügung gestellt. So wird auch einkommensschwachen Zielgruppen soziale und kulturelle Teilhabe ermöglicht.
In Marburg entstanden, springt der Funke auch auf andere Städte über. In sieben weiteren Städten gibt es sie schon, unter anderem auch in Hamburg. In Celle, Kaiserslautern und Göttingen ist die Kulturloge in Planung.
Für ihr Engagement, Menschen mit wenig Geld Zugang zu kulturellen Veranstaltungen zu ermöglichen, wird die Kulturloge Marburg mit dem Freiherr-vom-Stein-Preis ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am 29. November 2011 im Logenhaus in Berlin statt.
Freiherr-vom-Stein-Preis für gesellschaftliche Innovation
Der Freiherr-vom-Stein-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. zeichnet Menschen aus, die sich mit Initiative, Risikobereitschaft, Ausdauer, Kreativität und Weitsicht selbstlos für das Gemeinwohl einsetzten. Er wird verliehen an Persönlichkeiten, die in den Bereichen Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, der kommunalen Ebene und Medien arbeiten. Insbesondere gilt das Augenmerk solchen Personen, die sich völkerverbindend und mit europäischen Bezügen engagieren.
Der Preis wird von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Stiftung MITARBEIT seit 2007 europaweit vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.
Kuratorium des Freiherr-vom-Stein-Preises
Prälat em. Dr. Stephan Reimers (Vorsitzender)
Marianne Birthler, Berlin
Prof. Dr. Gabriele Metzler, Humboldt-Universität zu Berlin
Dr. Heribert Prantl, Leiter der innenpolitischen Redaktion der Süddeutschen Zeitung
Prof. Dr. Gesine Schwan, Humboldt-Viadrina School of Governance
Marc Schwieger, und Schwieger GmbH
Prof. Dr. Karl Teppe, Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft e.V., Münster (beratend)
Mustafa Bayram, Coach e.V.
Geschichte des Preises
Der Freiherr-vom-Stein-Preis wurde von 1954 bis 1990 mit verschiedenen Schwerpunkten vergeben, u.a. zur Auszeichnung innovativer Forschung zur Stadtgeschichte, zur staatsbürgerlichen Bildungsarbeit und zur Geschichte der bürgerlichen Sozialreform.
Im Jahr 1995 hat die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. den Freiherr-vom-Stein-Preis zur Verfügung gestellt, um in den neuen Bundesländern das Engagement von Bürgern für das Gemeinwohl auszuzeichnen, indem beispielhafte und richtungweisende private Initiativen und Leistungen von Persönlichkeiten, Vereinigungen oder Institutionen beziehungsweise pionierhafte Leistungen auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet oder im Bereich der bürgernahen oder kommunalen Selbstverwaltung gewürdigt werden. Nähere Informationen über die bisherigen Empfänger des Freiherr-vom-Stein-Preises (PDF-Datei) finden Sie in einer Übersicht zum Download.
Heute ist der Preis mit Euro 25.000 dotiert und wird grundsätzlich ungeteilt vergeben. Der Preis wird jährlich durch den Präsidenten der Humboldt-Universität in Berlin überreicht.





