Freiherr-vom-Stein-Preis 2009 für Giò di Sera

Giò di Sera wurde 1964 in Neapel geboren und wuchs dort als Halbwaise in einem Heim auf. Seine Schulkarriere endete bereits nach dem Besuch der Grundschule. Er erwartete jedoch mehr vom Leben und begann mit ersten künstlerischen Arbeiten. In Neapel mit Gewalt und Elend konfrontiert, verließ er 1985 seine Heimat und zog nach Berlin-Kreuzberg. Schnell gerieten die Probleme des multikulturellen, sozial schwachen Stadtteils in den Fokus seines kreativen Schaffens. Die Überzeugung, als Künstler auch gesellschaftliche Verantwortung zu tragen, war der Ursprung für Giò di Seras Engagement und bleibt bis heute sein Leitmotiv.

2006 gründete er zusammen mit Erhan Emre und Martin Kesting die StreetUniverCity Berlin als eine Einrichtung für soziale, sportliche und kulturelle Jugendbildung in Berlin-Kreuzberg, die benachteiligten Jugendlichen einen „Dritten Bildungsweg“ ermöglicht. Jugendliche aus sozialen Brennpunkten im Alter zwischen15 und 25 können in einem informellen, kulturellen Lernfeld Fähigkeiten und soziale Kompetenzen erwerben, die ihnen beim Einstieg ins Berufsleben helfen. Giò di Sera setzt mit seiner „Straßenuniversität“ auf die motivierende Kraft der Identifikation mit dem Kiez und auf Vorbilder aus dem Umfeld der Jugendlichen, die biographische Authentizität verkörpern und glaubwürdig das Motto der StreetUniverCity „Trust yourself“ vorleben. Durch große Praxisnähe und Kreativität gelingt es der StreetUniverCity, jungen Menschen, die von der Gesellschaft als gescheitert angesehen werden und sich oft auch selbst als gescheitert betrachten, die eigenen Stärken bewusst zu machen, Erfolgserlebnisse zu vermitteln und Motivation und Integrität zurückzugeben.

Die Verleihung des Preises fand am 25. November 2009 im Rahmen eines Festaktes in Berlin statt.

Weitere Informationen über den Preisträger und zur StreetUniverCity Berlin finden Sie auf www.streetunivercity.de

 

Filmportrait Giò di Sera

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Freiherr-vom-Stein-Preis für gesellschaftliche Innovation

Der Freiherr-vom-Stein-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. zeichnet Menschen aus, die sich mit Initiative, Risikobereitschaft, Ausdauer, Kreativität und Weitsicht selbstlos für das Gemeinwohl einsetzten. Er wird verliehen an Persönlichkeiten, die in den Bereichen Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, der kommunalen Ebene und Medien arbeiten. Insbesondere gilt das Augenmerk solchen Personen, die sich völkerverbindend und mit europäischen Bezügen engagieren.
Der Preis wird von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Stiftung MITARBEIT seit 2007 europaweit vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

 

Kuratorium des Freiherr-vom-Stein-Preises

Prälat em. Dr. Stephan Reimers (Vorsitzender)

Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

Prof. Dr. Hartmut Häußermann, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Gabriele Metzler, Humboldt-Universität zu Berlin

Dr. Heribert Prantl, Leiter der innenpolitischen Redaktion der Süddeutschen Zeitung

Prof. Dr. Gesine Schwan, Humboldt-Viadrina School of Governance

Marc Schwieger, Geschäftsführer Creation Scholz & Friends 

Prof. Dr. Karl Teppe, Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft e.V., Münster (beratend)

 


Geschichte des Preises

Der Freiherr-vom-Stein-Preis wurde von 1954 bis 1990 mit verschiedenen Schwerpunkten vergeben, u.a. zur Auszeichnung innovativer Forschung zur Stadtgeschichte, zur staatsbürgerlichen Bildungsarbeit und zur Geschichte der bürgerlichen Sozialreform.

Im Jahr 1995 hat die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. den Freiherr-vom-Stein-Preis zur Verfügung gestellt, um in den neuen Bundesländern das Engagement von Bürgern für das Gemeinwohl auszuzeichnen, indem beispielhafte und richtungweisende private Initiativen und Leistungen von Persönlichkeiten, Vereinigungen oder Institutionen beziehungsweise pionierhafte Leistungen auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet oder im Bereich der bürgernahen oder kommunalen Selbstverwaltung gewürdigt werden. Nähere Informationen über die bisherigen Empfänger des Freiherr-vom-Stein-Preises (PDF-Datei) finden Sie in einer Übersicht zum Download.

Heute ist der Preis mit Euro 25.000 dotiert und wird grundsätzlich ungeteilt vergeben. Der Preis wird jährlich durch den Präsidenten der Humboldt-Universität in Berlin überreicht.